Manchmal ist Schweigen Gold

0
2654

Heute geht es um sieben Dinge, die du der Frau, mit der du zusammen bist, verschweigen darfst. Und zwar ohne, dass du ein schlechtes Gewissen haben musst. Falls sie es unbedingt wissen will, dich danach fragt und vielleicht sogar bohrt, dann kannst du es mit der richtigen Antwort entspannt und freundlich kontern.

Es gibt Paare, die sprechen über alles, die erzählen sich alles. Es gibt bei ihnen nichts, das sie nicht übereinander wissen – also bis ins kleinste Detail. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn es bei ihnen der Wunsch ist. Aber es gibt gute Gründe, warum man gewisse Dinge, Ereignisse oder Erfahrungen besser für sich behält. Man muss der Frau, mit der man zusammen ist oder die man datet, nicht alles erzählen. Sie muss nicht über jedes Detail von dir unterrichtet sein, und umgekehrt auch nicht. Menschen brauchen Geheimnisse – sogar in einer gesunden Beziehung. Das ist Teil des persönlichen, individuellen Freiraums. Und das müssen nicht nur Dinge sein, die man sich erzählt, das kann auch eine Kiste im Keller sein, eine Schublade oder etwas in der Richtung. In den meisten Fällen enthält es auch gar nichts Heimliches oder Verbotenes.

Anzeige

Wenn sie dennoch alles von dir wissen will – und ja, manche Frauen haben da eine Neigung und bohren und stochern nach einer Antwort, sei es aus Neugier, Unsicherheit, Eifersucht oder aus einem Kontrollgefühl heraus –, kannst du es mit der richtigen Antwort entspannt und freundlich kontern. Am Ende des Videos gebe ich dir dazu ein paar Beispiele.

Was sind also die Dinge, die man ruhig für sich behalten darf, also seine eigenen persönlichen Geheimnisse?

Nummer eins: Ihr kennt das wohl alle – „What happens in Vegas, stays in Vegas.“ Also: Dinge, Ereignisse oder Erfahrungen, die du mit deinen Freunden erlebt hast und die möglicherweise unangemessen oder peinlich sind, solltest du mit deiner besseren Hälfte nicht teilen. Sie offen zu legen kann nicht nur dich in potenziell unangenehme Fragen und Gespräche verstricken, sondern auch deine Freunde. Und nein, sie lernt dich nicht besser kennen, falls sie so argumentiert. Wenn sie alles aus deinem früheren Leben mit den Jungs weiß, etwa die Anzahl der früheren Sexpartner – egal in welcher Phase der Beziehung ihr seid – Paare sollten sich nicht erzählen, mit wie vielen Menschen sie Sex hatten. Diese Zahl behält man immer für sich. Man kann hier nichts richtig machen, aber vieles falsch. Und sie sollte die Frage auch niemandem stellen.

Abgesehen davon: Klar, es ist natürlich menschlich, zu wissen, welche Erfahrungen der Partner früher gemacht hat und ob man ihm oder ihr vielleicht bei einem Fest früheren Liebschaften begegnet. Aber diese Zahl zu wissen, das hat überhaupt keinen Nutzen. Welche Zahl jetzt gut oder schlecht ist, ist eine moralische Beurteilung, die jeder anders sieht. Ist die Zahl zu hoch, könnte sie verunsichern und denken, du bist jemand, der nur herum schläft. Ist die Zahl zu niedrig, denkt sie vielleicht, du hast nicht viel Erfahrung. Sie braucht nicht jedes Detail aus deiner Vergangenheit zu wissen. Im Gegenteil: Bestimmte Dinge über sich ein bisschen im Dunkeln zu lassen, macht eine Person ja auch interessant.

Probleme, die deine Freunde betreffen oder Dinge, mit denen deine Freunde zu kämpfen haben und dir im Vertrauen erzählen, solltest du ihr nicht weiter erzählen oder sie zumindest vorher fragen, ob das für sie okay ist. Natürlich erzählen wir alle unseren Partnern von den Dingen oder den Personen, die wir gerne haben und die uns am Herzen liegen. Man hat ja das Bedürfnis, darüber zu sprechen, weil sie einem selbst beschäftigen. Aber diese persönlichen Dinge oder Probleme sind ja in erster Linie nicht für ihre Ohren bestimmt. Das sollte man nicht vergessen.

Frusthilfe von deinem Umfeld: Es gibt Phasen in jeder Beziehung, in denen nicht alles optimal läuft. Also, man ist vielleicht frustriert, wütend und wendet sich an sein näheres Umfeld, also nicht ihres, deines – Familie, Kollegen, um Frust abzulassen oder sich Rat oder Bestätigung zu holen. Und häufig ist es dann ja so, und vielleicht kennt ihr das ja selbst, dass sich das eigene Umfeld dann automatisch auf deine Seite schlägt. Also sie zu deinen Verbündeten werden. Das ist menschlich, du erhältst dann meist ihre Zustimmung oder zumindest Verständnis, während die Partnerin ihre Missbilligung oder zumindest Verständnislosigkeit bekommt. Es ist gut möglich, dass sie in solchen Momenten etwas Negatives über deine Partnerin sagt, weil sie das Bedürfnis hat, dir zu helfen, damit du dich besser fühlst. Natürlich läuft es nicht immer so ab, aber das ist eine häufige Situation. Aber wie gesagt: Jede Beziehung durchläuft mal bessere, mal schlechtere Phasen, und darum ist es nicht nötig – und ich würde dringend davon abraten – die Partnerin jeweils über diese Reaktionen zu informieren. Auch nicht, wenn es verlockend ist, sie irgendwann als Trumpf auszuspielen, also: „Aber sie haben damals gesagt, dass…“. Diese Dinge sollten im Vertrauen bleiben. Die Gründe sind einfach: Es löst euren Konflikt nicht, es kreiert bei deiner Partnerin unnötigerweise komische Gefühle oder Misstrauen gegenüber deinem Umfeld und treibt die Beziehung zwischen euch, die eigentlich immer gut war, in eine unangenehme Richtung. Sie kann diese Informationen je nachdem irgendwann gegen dich verwenden, um dich gegen dein Umfeld auszuspielen. Die Chance ist groß, dass eure Krise irgendwann vorbei ist, aber du bringst dann auch dein Umfeld in Bedrängnis oder ins schlechte Licht – das die dir ja nur helfen oder Verständnis dir gegenüber ausdrücken wollte.

Deine Defizite: In einer Beziehung gibt es verschiedene Phasen. Die Verliebtheitsphase, da tragen wir alle die rosarote Brille. Wir sehen nur die besten Seiten beim Partner, wir zeigen uns selbst nur von unserer besten Seite. Alles ist schwärmerisch und schön und aufregend – der totale Kick. Die nächste Phase ist, wenn wir Vertrauen aufbauen. Manche nennen es auch die „Honeymoon-Phase“. Das sind immer noch die aufregenden und sorgenfreien ersten Monate oder Jahre einer Beziehung, voller Sehnsucht. Alles immer noch da. Studien gehen davon aus, dass der Honeymoon-Effekt etwa zweieinhalb Jahre andauert. Nach dieser Phase kommt die „Commitment-Phase“, also die Verbindungs- und Treue-Phase. Und da geraten viele Paare ins Straucheln, weil dann kommen die Defizite des anderen immer mehr zum Vorschein. Man stellt Charakterschwächen fest, die man nicht mag oder die vielleicht schwierig sind damit umzugehen. Wir haben also diese Situation: Die anfängliche Verliebtheit nimmt ab und das ist dann ein ganz natürlicher Prozess. Aber auch die Toleranzschwelle für Dinge, die man nicht goutiert, wird mit der Zeit niedriger – vor allem, wenn diese Dinge repetitiv passieren. Darum ist das eine kritische Phase in einer Beziehung, in der größere Konflikte entstehen können. Warum erkläre ich das? Weil deine Defizite mit der Zeit ganz von selbst an die Oberfläche kommen und für sie sichtbar werden. Sie wird sie von alleine erkennen und akzeptieren oder nicht. Hast du keine Schwächen, dann wäre das ja völlig unrealistisch. Es bringt also nichts – besonders nicht in der Anfangsphase einer Beziehung – seine Partnerin über seine Schwächen zu informieren. Was soll sie mit der Information anfangen? Eine bestimmte Verhaltensweise von dir besser verstehen? Aber die stört sie ja im Augenblick noch gar nicht, falls sie dich überhaupt stören wird. In der Anfangsphase wird sie das nur verunsichern und sie könnte sich als schwache Person wahrnehmen.

Ich will damit nur sagen: Wir müssen andere nicht an unsere Fehler erinnern. Wenn du negative Eigenschaften besitzt, die verbesserungsbedürftig sind, gut, dann kannst du für dich selbst ja insgeheim daran arbeiten. Du hast ja zweieinhalb Jahre Zeit.

Wie war die Ex? Noch so ein Fallstrick. Ex-Partnerinnen sind kein Geheimnis und sollten es nicht sein. Spricht man über vergangene Beziehungen oder sogar über schlechte Erfahrungen, dann erklärt das dem aktuellen Partner vielleicht ja bestimmte Verhaltensweisen, aber ich spreche hier nicht von schlechten Erfahrungen. Denn Vorsicht: Ex-Freundinnen oder Ex-Partnerinnen – das ist grundsätzlich ein vermintes Terrain. Da kann man sehr schnell etwas preisgeben, das, wenn es dumm läuft, eine Beziehung nachhaltig stört. Das kann etwas sein, das ihr nicht mehr aus dem Kopf geht oder ihr ein schlechtes Gefühl bereitet. Sie verunsichert, weil sie sich insgesamt mit der Ex vergleicht. Das ist ja sowieso eine kleine Schwäche vieler Frauen. Es kann aber auch Streit provozieren, völlig unnötigerweise. Ich glaube, wenn man über die Ex spricht, ist es besser, von Dingen zu sprechen, die nicht das Potenzial haben, einen Streit zu provozieren oder zu verletzen oder zu verunsichern. Viele Frauen – natürlich nicht alle – lassen sich manchmal zu schnell von Dingen verunsichern. Das müsste eigentlich nicht sein und das ist mir natürlich bewusst.

Es ist schwierig, immer zu wissen, was Tamarawernli. Würde sie verunsichern? Was ist problematisch? Gerade wenn man sich noch nicht so lange kennt und oft fragt sie ja selbst danach. Aus meiner Sicht, was könnte kritisch sein oder eine Unsicherheit auslösen? Wie cool deine Kumpels sie fanden, wie wunderbar deine Eltern sie fanden, wie großartig sie mit ihnen zurechtkam. Die Ex – das könnte sie als versteckten Hinweis beziehungsweise als Vergleich sehen. Natürlich auch, wie hübsch sie war, wie toll ihr Körper war, wie gut der Sex war – also alles in diese Richtung. Das heißt nicht, du solltest nicht positiv über sie sprechen. Versteh mich nicht falsch. Aber es ist der Kontext und es ist der Themenbereich, und das ist auch ein bisschen verwoben mit dem nächsten Punkt.

Lass es dein Geheimnis bleiben. Wenn du eine andere Frau heiß findest, bitte behalte das um Himmels willen für dich. Ja, du darfst und sollst andere Frauen sexy und attraktiv finden, selbstverständlich. Das ist menschlich. Sie findet andere Männer auch heiß und attraktiv, das ist gesund, dass man auch andere Männer und Frauen wahrnimmt – auch ihre Attraktivität. Das wäre falsch, da völlig die Augen zu verschließen. Und natürlich kann man sich in einer Beziehung darüber unterhalten, wenn man jemanden attraktiv findet. Aber auch hier: Kontext. Beispiel: Ihr seht zusammen im Café, du findest, die Kellnerin ist die zweite Angelina Jolie – also eine Wucht. Bevor deine Partnerin nichts dazu sagt, darfst du nichts sagen. Man kann schöne Dinge ja auch einfach wahrnehmen, ohne zu kommentieren. Sagt deine Partnerin: „Hübsche Frau“, kannst du selbstverständlich zustimmen: „Ja, die ist wirklich hübsch“, Punkt, fertig. Mach keinen Elefanten draus. Lass es so stehen. Wenn es um die Attraktivität einer anderen Frau geht, heißt sexy, Hammer, babe, verlockend, anziehend, verführerisch, reizvoll – alles, was in eine erotische Richtung geht oder womit eine Andeutung entstehen könnte, dass du von ihr angezogen sein könntest – auch wenn es gar nicht so ist. Du verrennst dich und kommst dann nicht mehr raus.

Noch ein Tipp: Du findest eine Freundin von ihr hammermäßig hübsch? Jedes Mal, wenn sie ihre Freundin trifft, wird sie sich dann vielleicht insgeheim vergleichen. Vielleicht spinnt sie in ihrer Fantasie noch Dinge zusammen. Frauen multiplizieren ja gerne die Kraft einer Aussage um 100. Aus dem Wörtchen „hübsch“ macht sie im Handumdrehen hammermäßig hübsch – die totale Schönheit. Findest du ihre Figur einfach nur gut, kann es sein, dass du in ihrer Fantasie mit ihr schlafen möchtest, dass du dich nach ihrem Körper verzehrst, ihr Liebsten gleich nachspringen würdest. Gründe können ein mangelndes Selbstbewusstsein sein, schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit oder einfach, weil Frauen gerne Drama haben.

Verzichte darauf, mit seiner Partnerin über alles zu sprechen, ist gut und wichtig, und es gibt ja tatsächlich viele Situationen, die verlangen, dass man sich öffnet und Dinge preisgibt. Doch du musst nicht alles über dich, über deine Gefühle, deine Erfahrungen und Ereignisse mit ihr teilen. Wie gesagt: Jeder Mensch braucht seine Geheimnisse, seine persönlichen Freiräume. Falls sie doch danach fragt, etwa die Anzahl deiner ehemaligen Sexpartnerinnen wissen möchte, erkläre ihr freundlich, aber bestimmt, dass das Vergangenheit ist und Vergangenheit bleiben sollte. Jetzt bist du ja mit ihr zusammen oder es ist dir unangenehm, über dies oder das zu sprechen, weil du selbst nicht daran erinnert werden möchtest oder weil du damit abgeschlossen hast. Oder du sagst: „Da gibt es keine eindeutige Antwort darauf. Ich weiß es selbst nicht.“ Alles legitime Antworten. Auch in einer Beziehung hat jeder das Recht auf Privatsphäre, Schatz. Und dagegen ist nun wirklich nichts einzuwenden.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein