Sicher hast Du auch schon einmal davon gehört, dass es auf dem einen oder anderen Datingportal nicht ganz mit rechten Dingen zugehen soll. Hin und wieder berichten Nutzer solcher Portale von Fakeprofilen, Lockangeboten, Heiratsschwindlern oder teuren Chats, die viel versprechen, aber wenig halten. Hier ist vor allen Dingen von sogenannten „IKM-Schreibern“ die Rede, die sich als jemand anderes ausgeben und unbedarften Kontaktsuchern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen das Geld aus der Tasche ziehen.
Betrug auf Datingportalen lässt sich in vier Hauptkategorien einteilen:
1. Fakeprofile, die kostenlose Nutzer zum Abschluss eines kostenlosen Abos animieren sollen.
Diesen Betrug findet man vor allen Dingen auf teuren High-Class Datingportalen, die eine kostenlose Mitgliedschaft als Lockangebot anbieten. Kaum hat man sich registriert, wird man auch schon von (scheinbar) interessierten und überaus attraktiven Damen angeschrieben. Das Problem: Man kann ihnen nicht zurückschreiben. Dazu bedarf es einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft. Doch kaum hat man diese abgeschlossen, erlischt das Interesse der Damen auf wundersame Weise.
Ziemlich eindeutig wird hier, dass es sich bei den (scheinbar) interessierten Profilen um Fakeprofile handelt, hinter denen entweder gar kein echter Mensch steckt, sondern ein Bot, oder hinter denen bezahlte Mitarbeiter stecken. Sie werden eingesetzt, um den Nutzer zum Abschluss eines kostenpflichtigen Abonnements zu bewegen. Hat man ihn erst einmal so weit, ziehen diese Fakeprofile weiter.
Das scheinbare Interesse vor und nach Abschluss einer kostenpflichtigen Mitgliedschaft kann durchaus sehr stark voneinander abweichen, sodass man hier durchaus von Betrug sprechen kann. Leider ist diese Art von Betrug nur schwer nachweisbar, nämlich nur dann, wenn ein Insider auspackt und entsprechendes Beweismaterial liefert.
2. Klassischer Heiratsschwindel (Love-Scam)
Man mag es kaum glauben, aber der klassische, altbackene Heiratsschwindel hat auch den Online-Datingmarkt längst erobert. Im Visir werden hier zumeist kostenlose oder günstige Datingportale genommen.
Der Heiratsschwindler schreibt sein Opfer an, gewinnt sein Vertrauen und gibt dann vor, plötzlich in finanzielle Not geraten zu sein. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Von schwerer Krankheit bis hin zu Kindern, die man aus den Fängen irgendwelcher Organisationen retten müsse, ist alles vertreten. Nicht wenige Opfer sind dann bereit, für ihren vermeintlichen Liebsten und insgeheim erhofften zukünftigen Ehepartner, buchstäblich alles zu geben. Nachdem das Ersparte aufgebraucht ist, werden Haus und Hof verkauft und nicht selten gar ein Kredit aufgenommen.
Dabei sitzen Heiratsschwindler oft im Ausland und haben rein gar nichts mit der Person gemein, die sie vorgeben zu sein. Ein großer Markt männlicher Heiratsschwindler hat sich in Afrika etabliert; Frauen kommen hingegen oft aus Osteuropa oder Asien.
Dass die Opfer ihr Geld nicht (wie normalerweise üblich) auf ein Konto überweisen sollen, sondern über dubiose Kanäle, wie Western Union versenden, fällt den meisten in ihrem Liebestaumel gar nicht auf. Sie werden bis auf den letzten Cent ausgenommen… oder bis sie irgendwann die Reißleine ziehen.
3. Chatmoderatoren, Operater, IKM-Schreiber & Co.
Diese Betrugsmasche ist häufig auf Portalen zu finden, die schnelle Sexdatings versprechen und bei denen man eigentlich schon förmlich fühlen kann, dass etwas nicht stimmt. Sie werden meist auf anderen Sexseiten beworben und die einzige Funktion, die wirklich funktioniert, ist ein Livechat. Um den geht es letztendlich auch. Die Anmeldung ist natürlich kostenlos, der Chat ist es aber nicht. Kaum hat sich der (meist ältere) Herr angemeldet und sein Profil halbwegs ausgefüllt, meldet sich auch schon die erste, blutjunge, nur spärlich bekleidete Dame und bekundet ihr Interesse an einem Treffen, bei dem es rund gehen soll. Um ihr antworten zu können, muss der geile Depp tief in die Tasche greifen. Durchschnittlich zwischen 0,50 und 3,00 Euro kostet es, der „Dame“ zu antworten. Wohlgemerkt PRO Antwort.
Er schreibt ihr also, er sei zu allen Schandtaten bereit und wo man sich denn mal treffen könne. Kaum abgesendet, schreibt die „Dame“ auch schon zurück. Man müsse sich aber erst einmal besser kennenlernen. Was den so die Hobbies seien…
Und ehe sich der Mann versieht, muss er sein Chatguthaben aufladen. Na gut, 50 Euro ist es ihm wert. Die sind nach kurzer Zeit aufgebraucht. Noch mal 50 Euro. Und noch einmal.
Was unser geiler Depp nicht weiß: Am anderen Ende sitzt nicht EINE Dame, sondern eine Vielzahl bezahlter Chatmoderatoren, deren Aufgabe es ist, den Chat so lange wie möglich am Laufen zu halten. Darunter durchaus auch Männer. Die Frau, auf deren Bild unser geiler Depp die ganze Zeit sabbernd starrt, gibt es gar nicht. Alles dreht sich nur darum, ihm so viel Geld wie möglich aus der Tasche zu ziehen.
4. Erpressung
Diese Mache ist vor allen Dingen auf klassischen Social-Media – Seiten, wie Facebook, X oder Instagram häufig vertreten. Jede Plattform, die einen Messengerdienst bietet, über den man Bilder versenden kann, ist dazu geeignet.
Ähnlich wie beim Heiratsschwindel wird das Opfer von seinem vermeintlichen Traumpartner angeschrieben und eine Vertrauensbeziehung aufgebaut. Doch anders, als beim klassischen Heiratsschwindel, geht es den Tätern nicht darum, ihre Opfer durch traurige Geschichten freiwillig zur Zahlung zu bewegen, sondern durch knallharte Erpressung.
Dazu werden dem Opfer zunächst so viele persönliche Informationen und kompromittierende Daten wie möglich entlockt. Familienstand, Arbeitgeber, Freundeskreis, Nacktbilder, peinliche Sexchats etc. Hat man alle benötigten Daten beisammen, droht man mit deren Veröffentlichung. Wenn das Opfer beispielsweise verheiratet ist, droht man damit, die Ehefrau zu informieren; arbeitet es in gehobener Stellung, droht man, den Arbeitgeber zu informieren etc. Das geht sogar so weit, dass man mit dem Finanzamt oder der Polizei droht, wenn das Opfer entsprechende, sich selber belastende Angaben gemacht hat.
Was wir daraus lernen sollten? Augen auf beim Online-Dating!













