Immer mehr Frauen entscheiden sich offenbar dafür, Single zu bleiben. Aber warum ist das so? Die Gründe dafür schauen wir uns heute an. In der heutigen Zeit entscheiden sich nicht nur viele Männer, sondern auch immer mehr Frauen bewusst dafür, Single zu bleiben. Dies verdeutlicht ein Phänomen, das unter dem Hashtag „Boy Sober“ bekannt ist. Der Ausdruck bedeutet so viel wie „nüchtern sein“ in Bezug auf Männer und Jungs.
Der Trend wurde von einer amerikanischen Komikerin bekannt gemacht. Er steht für eine bewusste Entscheidung, auf romantische Beziehungen zu verzichten und stattdessen den Fokus auf persönliche Entwicklung und platonische Beziehungen zu legen. Es geht nicht nur um die traditionelle körperliche Enthaltsamkeit, sondern vielmehr um eine emotionale und mentale Distanzierung, auch von der Anerkennung durch Männer.
Die Frauen, die diesem Trend folgen, suchen nach einer tieferen Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung. Sie gehen ihren eigenen Weg. Man könnte sagen, dass das Phänomen „Boy Sober“ in gewisser Weise als Pendant zu „Men Going Their Own Way“ betrachtet werden kann. Beide Bewegungen reflektieren den Trend, bei dem Menschen sich bewusst entscheiden, ihren eigenen Weg zu gehen und nicht nach Beziehungen zu suchen. Beide betonen die Bedeutung von persönlicher Entwicklung, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.
Was aber sind die Gründe der Frauen? Zuerst die ganz allgemeinen, wie Experten und Psychologen das Phänomen erklären, und danach die persönlichen Gründe, die Frauen in ihren Beiträgen angeben. Man muss dazu sagen, die meisten Frauen hier sind jünger, also 35 Jahre und jünger.
In einem früheren Beitrag habe ich das Phänomen angesprochen, dass insbesondere junge Menschen weniger Sex haben. Laut Welt.de sei die Unlust der jungen Leute, Beziehungen einzugehen, teilweise eine Konsequenz von Corona. Die Pandemie hat viele Orte geschlossen, wo man sich treffen und sozialen Austausch pflegen konnte. Das hat es für viele Leute schwieriger gemacht, neue Menschen kennenzulernen und sich zu verlieben.
Ein weiterer möglicher Grund ist die signifikant angestiegene Nutzung von Sextoys, insbesondere bei Frauen, möglicherweise als Alternative zu traditionellen sexuellen Beziehungen. Das alles deutet darauf hin, dass Frauen zunehmend Selbstbestimmung und Befriedigung außerhalb von romantischen Beziehungen suchen.
In den Beiträgen erklären die Frauen ihre persönlichen Beweggründe, warum sie sich bewusst gegen Beziehungen entscheiden. Für sie ist das Leben ohne einen festen Partner nicht nur erfüllender, sondern auch angenehmer. Sie beschreiben ihre Dating-Abstinenz als eine Art mentales Entgiften, das ihnen ein tieferes Verständnis für sich selbst ermöglicht. Indem sie sich von Beziehungen distanzieren, erfahren sie eine gesteigerte mentale Gesundheit und inneres Wohlbefinden. Sie sagen, sie haben mehr Energie und mehr Zeit, um sich auf sich selbst zu konzentrieren und die Dinge zu tun, die sie wirklich gerne tun. Dieser Prozess des Alleinseins ermöglicht es ihnen, ihre eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen und sich selbst zu priorisieren.
Zusätzlich betonen Frauen in den Beiträgen auch, dass sie keine Probleme mit toxischen Verhaltensweisen in Beziehungen haben wollen. Sie möchten sich nicht dem Stress und den Konflikten aussetzen, die oft mit romantischen Beziehungen verbunden sind. Ein weiterer Punkt, den sie anführen, ist, dass sie sich nicht durch zahlreiche Dates überlastet fühlen wollen. Das mag wie ein Luxusproblem erscheinen, insbesondere weil viele Männer oft gar nicht die Möglichkeit haben, auf Dates zu gehen, da Frauen sehr selektiv sind und sie nicht in Betracht ziehen. Ich spreche den Frauen diesen Punkt nicht ab, halte ihn aber für ein Luxusargument.
Übrigens, bei dem Hashtag „Boy Sober“ geht es weniger darum, Männern Vorwürfe zu machen. Die Erfinderin des Hashtags hebt hervor, dass auch Frauen durch ihr Verhalten Leid verursachen können. Sie betont auch, dass Männer von einer solchen Entscheidung der Frauen, eine Dating- und Beziehungspause einzulegen, profitieren können. Es geht also nicht darum, Rache an Männern zu nehmen oder Ähnliches.
Grundsätzlich finde ich diese Punkte nicht verkehrt. Bevor man eine Beziehung eingeht, ist es immer ratsam, sich selbst und seine Bedürfnisse zu kennen. Es ist auch von Vorteil, wenn man realisiert, dass man in der Lage ist, Single zu sein und allein zu leben. Das fördert die eigene Unabhängigkeit. Ein weiterer Grund könnten schlechte Erfahrungen sein, die Frauen in Beziehungen gemacht haben. Wenn sie von Stress und Konflikten in Beziehungen sprechen, sollte man das ernst nehmen.
Man sollte diese Frauen nicht verächtlich machen für ihre Entscheidung, wie es in einigen Kommentarspalten zu lesen ist. Wenn immer mehr Männer sich der Bewegung „Men Going Their Own Way“ anschließen, aus welchen Gründen auch immer, sollte man auch respektieren, wenn Frauen das Gleiche tun, und sich eher fragen, was da los ist.
Eines ist klar: Bewegungen wie „Men Going Their Own Way“ oder „Boy Sober“ sind Reaktionen auf die Veränderungen und Herausforderungen in der modernen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die zunehmend aus Singles besteht, kann auch Nachteile haben. Während es natürlich positive Aspekte wie individuelle Freiheit und Selbstentfaltung gibt, können auch Dinge wie soziale Isolation und Einsamkeit auftreten. Das sollte man ebenfalls bedenken.
Ich bin der Meinung, dass viele Spannungen zwischen den Geschlechtern auf dem Gefühl ruhen, dass Frauen das männliche Geschlecht oft als potenzielle Gegner betrachten, vor denen sie sich schützen müssen. Gerade bei manchen jüngeren Frauen habe ich das Gefühl, dass einige Medien, Teile des Feminismus und auch politische Diskurse dazu beitragen, ein Bild des Mannes zu projizieren, der schädlich und unfähig ist und nicht den gleichen Teil in eine Beziehung einbringt wie die Frau. Dieses vermittelte Bild des Mannes ist aber oft verzerrt und entspricht nicht der Realität oder zumindest nicht dem Denken und der Haltung aller Männer. Dieses Narrativ verunsichert und schürt eine Atmosphäre des Misstrauens. Es trägt dazu bei, die Gräben zwischen den Geschlechtern zu vertiefen, statt sie einander näher zu bringen. Auch das kann meiner Meinung nach einer der Gründe sein, warum Frauen sich aus dem Datingmarkt zurückziehen, zusätzlich zu den genannten Punkten. Das finde ich schade, denn in Wahrheit ergänzen sich Männer und Frauen, auch wenn dieser Aspekt in zeitgenössischen Diskursen oft übersehen wird oder aufgrund persönlicher negativer Erfahrungen nicht immer offensichtlich erscheint.













