Weiblich, über 30 und Single?

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Ich habe einen aktuellen Text gelesen, der es wirklich in sich hat und mich zum heutigen Thema inspiriert hat. Danke an euch, wie immer, für die Zusendungen. Der Text hebt nämlich genau hervor, warum viele Männer die Dating- und Beziehungswelt verlassen haben, und er demonstriert ebenso gut, dass viele Frauen die Gründe dafür nicht wirklich realisieren – sich nicht einmal die Frage stellen.

Bevor ich noch mehr dazu sage, lasst uns den Beitrag anschauen.

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Titel: Female Empowerment & Mating Gap – Müssen gebildete Frauen bei der Partnerwahl Kompromisse eingehen?

Die Singlefrauen in meinem Freundeskreis sind schön und erfolgreich. Sie haben einen Uniabschluss, einen super Job und sprechen mehrere Sprachen. Sie wissen, was sie wollen, und machen keine Kompromisse – nicht beim Gehalt und auch nicht bei ihren Partnern. Das ist einer der Gründe, warum sie mit Anfang 30 den Menschen noch nicht gefunden haben, der zu ihnen passt.

Vor allem heterosexuelle Frauen stehen vor einem großen Problem: Es gibt einfach nicht genug gebildete Männer.

Okay, wir müssen hier gleich mal stoppen. Also, die Freundinnen der Autorin sind alle schön und erfolgreich? Aussehen liegt im Auge des Betrachters. Du hast eine Ausbildung? Gut. Und Erfolg definiert jeder anders. Lassen wir das mal so stehen.

Bevor wir auf das Thema Kompromisse eingehen: Eigentlich ist es ein Grund zur Freude, dass das Bildungsniveau von Frauen auf der ganzen Welt steigt. Während früher vor allem Männer akademische Karrieren verfolgten, haben Frauen mittlerweile aufgeholt – teils sogar überholt. Auch in Deutschland lässt sich dieser Trend beobachten: Mehr Frauen als Männer studieren. Laut Statistischem Bundesamt liegt der Frauenanteil unter den Studierenden an Hochschulen bei rund 50,9 %.

Wenn aber mehr Frauen als Männer studieren, liegt es nahe, dass heterosexuellen Frauen zukünftig Partner mit einem ähnlichen Bildungsniveau fehlen könnten. Dieses Phänomen hat mittlerweile sogar einen Namen: Mating Gap (Paarungskluft). Experten vermuten, dass diese Kluft in den nächsten Jahren wachsen wird. Prognosen zufolge werden in den USA auf jeden Mann mit Hochschulabschluss zwei Frauen mit Hochschulabschluss kommen. Das heißt, eine von ihnen geht leer aus.

Es gibt mittlerweile sogar eine Studie, die dieses Phänomen bestätigt. Die US-Anthropologin Marcia Inhorn von der Yale University wollte eigentlich herausfinden, aus welchen Gründen Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen. Bisher ging man davon aus, dass Frauen so ihre Fruchtbarkeit verlängern, um sich erstmal in Ruhe ihrer Karriere widmen zu können.

Nachdem Inhorn 150 US-Amerikanerinnen interviewt hatte – darunter hauptsächlich gebildete Frauen mit gutem Einkommen und einem gewissen Lebensstandard – kam sie jedoch zu einem anderen Ergebnis: Die meisten Frauen entschieden sich für diesen Schritt, weil sie noch keinen Mann gefunden hatten, mit dem sie sich vorstellen konnten, eine Familie zu gründen. Inhorn erklärte gegenüber Der Standard, den Frauen gehe es nicht darum, ihr Leben perfekt zu planen. Vielmehr würden sie die Technologie nutzen, weil ihr Liebesleben nicht nach Plan verlaufen sei.

Glaubt man all diesen Zahlen, werden heterosexuelle Frauen also bei der Partnerwahl Kompromisse eingehen müssen. Es ist absolut verständlich, dass man sich einen Partner auf Augenhöhe wünscht, mit dem man in Sachen Bildung auf einer Stufe steht. Doch dieser Wunsch wird sich nicht für jede erfüllen können.

Vielleicht müssen wir uns deshalb etwas von dem Gedanken lösen, die Intelligenz und den Erfolg eines Menschen allein an seinen Uniabschlüssen zu messen. Genauso müssen sich einige Hetero-Männer mit dem Gedanken anfreunden, dass ihre Frau ein höheres Bildungsniveau – und vielleicht auch ein höheres Einkommen – hat als sie selbst.

Am Ende entscheidet ohnehin etwas anderes darüber, ob zwei Menschen zusammenpassen: ähnliche Werte, Interessen und Eigenschaften wie Loyalität und Humor.

Zum Glück hat die Autorin hier die Kurve noch gekriegt. Ganz am Schluss des Beitrags korrigiert sie sich doch wieder. Sie kann es zwar intellektuell fassen, dass man als Frau vielleicht nicht nur nach dem Bildungsstand bei der Partnerwahl gehen sollte, aber sie hat es eben nicht wirklich verstanden. 90 % des Artikels beschäftigen sich mit dem Problem und der Analyse dieser Haltung.

Diese Haltung steht stellvertretend für viele Frauen: „Ich bin so schön und so gebildet, und alle müssen das wertschätzen.“

Das eigentliche Problem, warum viele gebildete Frauen heute Single sind, ist jedoch nicht der Bildungsgrad der Männer. Versteht mich nicht falsch: Wenn Frauen Disziplin und Ehrgeiz haben, eine gute Ausbildung zu erlangen, ist das toll. Eine gute Ausbildung und ein guter Job sind wichtige Bausteine für die eigene Unabhängigkeit. Jede Frau sollte dazu ermutigt werden, diese Ziele zu verfolgen.

Doch daran, dass Frauen bei der Partnerwahl oft seitwärts oder aufwärts orientiert sind, ist grundsätzlich nichts auszusetzen – es ist eine evolutionsbiologische Absicherungsstrategie im Hinblick auf den künftigen Nachwuchs. Und solche Triebe sind nicht kontrollierbar.

Was jedoch kontrollierbar ist, ist die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. „Ich mache keine Kompromisse“ bedeutet ja: „Es muss genauso laufen, wie ich es will. Er muss alle Kompromisse für mich machen, denn ich bin offensichtlich perfekt.“ Ist das nicht eine egozentrische Einstellung?

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